Mein lieber Gast, wenn Sie die Nähe Gottes suchen, müssen Sie in keine Kirche, in keine Moschee und auch in keine Synagoge. In der Natur spüren Sie sie auf Schritt und Tritt – in jedem Grashalm, in jedem Strauch, in jedem Baum und in allem, was da „kreucht und fleucht*“.

Erwin P. Kandel

*umgangssprachlich; Diese endreimende Paarformel bewahrt die alten Beugungsformen der Verben „kriechen“ und „fliegen“. Als Zitat aus Schillers „Wilhelm Tell“ (III, 1) ist sie zum geflügelten Wort geworden.

… hat den Menschen nicht erschaffen, damit er ewig an seinem Rockzipfel hängt. Er hat ihm vielmehr alles mitgegeben, damit er unabhängig von ihm leben kann – unabhängig leben in seinem Sinne.

Der alte Herr hat bis dato für die Menschheit mehr als genug getan – mehr ist nicht drin! 

 

Und – ist er nicht blind und taub?

 

  • Blind geworden durch das stete Blenden mit geheuchelter Frömmigkeit und taub durch das tägliche Flehen von zigmillionen Menschen um Gnade und Barmherzigkeit.
  • Taub geworden von den täglich Bitten um Dinge, die der Mensch selbst bewerkstelligen könnte, wenn er nur wollte.
  • Taub geworden von dem nicht zu endenten Kriegsgeheul – den Explosionen der Bomben und Granaten.
  • Und taub geworden von dem täglich heruntergeleierten Vaterunser.

Erwin P. Kandel